Mainz: Vom Feuchtbiotop in die Euro-League

Zu meinen Anfängen ist Mainz 05 runter von der Fußball-Landkarte, beginnt und endet die Auflistung der Erfolge auf dem Briefkopf mit: Deutscher Amateurmeister 1982. Ich sitze beim 3:0-Finalsieg gegen Bremen auf der Tribüne, werde dann von der A-Jugend zur 1. Mannschaft geholt. Dem Mofafahrer Schäfer begegnen echte Männer mit echten Bärten, leibhaftigen Ehefrauen, gesponserten Autos. Und es gibt Bier statt Spezi nach dem Training. weiterlesen »

Was tun nach der Fußball-Karriere?

Was genau macht er eigentlich, der Profi-Fußballer, wenn es vorbei ist mit der Zeit, in der Schweiß, aber nicht immer Milch und Honig fließen? Schließlich hat nicht jeder Kicker während seiner aktiven Zeit nebenbei ein Hochschulstudium absolviert oder ergattert irgendeinen Job im großen Fußballzirkus. Da ist guter Rat manchmal ganz schön teuer. Erst kürzlich wurde mir die Problemlage mal wieder bewusst. Ein Journalist rief an, wollte mich in seine Herz-Schmerz-Story „Was tun nach der Fußball-Karriere?“ einbauen.

Erste Frage: Wie viel Geld hatten Sie, nachdem der letzte Ball gespielt war?
Ich: Bin sauber raus aus der Geschichte. Habe mit null angefangen und mit null aufgehört. Aber wie sagte schon mein alter Kumpel Ansgar Brinkmann: Das letzte Hemd hat keine Taschen.

Er: Aber ins letzte Hemd schlüpft man doch nicht mit Anfang 30, Herr Schäfer!

Ich: Ist mir dann auch aufgefallen.

Er: Mein Gott, wie kann man denn nur so viel Geld ausgeben?

Ich: Ich hätte noch viel mehr ausgegeben, wenn ich gekonnt hätte. Die Nächte waren lang, die Mädels, ich und die Autos hatten Durst.

Er: Aber Herr Schäfer, ein Fußballprofi verdient doch Unmengen.

Ich: Nicht bei Mainz 05 zwischen 1988 und 1996. Das einzig lukrative war die Siegprämie. 2500 DM. Leider haben wir fast nie gewonnen.

Er: Sind Sie nach dem Ende Ihrer Karriere in ein Loch gefallen?

Ich: Nee, da war ich schon vorher drin.

Er: Welche Fehler haben Sie als Profi gemacht?

Ich: Alle, ich war der George Best der Mainzer Altstadt.

Er: George wer?

Ich: Nordire, immer Durst, immer spät im Bett. Hat nebenbei bei Manchester United gekickt.

Er: Gab es bei Mainz 05 eine Art Finanzberater?

Ja, das war unser Ersatztorwart. Der hat immer gesagt: Spar´ doi Geld, sonst haste später nix mehr.

Er: Von was leben Sie jetzt?

Ich: Von den Erinnerungen.

Er: Vermissen Sie den Fußball?

Ich: Und wie. Es gibt nichts Schöneres, als nach einem Sieg ins Entmüdungsbecken zu steigen, ein kaltes Bier zu trinken und mit den Jungs den Rest-Abend zu planen. Jetzt bade und plane ich alleine.

Er: Vielen Dank für das Gespräch.

2011, ein Sportjahr zum Verlieben!?

Wie geht´s weiter mit unserem todschicken Capitano M. Ballack, was zieht sich Diego Maradona so alles durch die Nüstern und warum steht Theo Zwanziger auf Frauen-Fußball? Nur hier gibt es ultimative Antworten. weiterlesen »

Prohibition

Seit Silvester habe ich keinen Tropfen mehr angerührt, Leberwerte wie ein Kobe-Rind, sonstiges Befinden: beschissen. Um die Leiden zu lindern, hab’ ich 22 verschiedene Sorten alkoholfreies Bier versucht. Wenn man gerade auf allen Vieren aus der Wüste Gobi kommt, schmeckt das Zeug sogar.

Die Trockenlegung ist fremdbestimmt, musste meiner Mama versprechen, bis Ostern abstinent zu leben. Daraus ergeben sich mehrere Fragen: Was ist das für eine Mama, die dem Bub die Bestimmung nimmt? Und: Wann ist Ostern? Zur Ehrenrettung meiner Mama muss gesagt sein, dass ich nach einer weihnachtlichen Kneipp-Kur durch die Gottschedstraße fast von einem Trabi überfahren worden wäre. Wäre ein blödes Ende gewesen, von einer Gehhilfe, einem Pappkameraden auf vier Rädern, überrollt. Die Prohibition fordert übermenschlichen Willen. Habe das schon mal durchgezogen, mit zwölf.

Den Härtetest gab’s am Wochenende in London. Ich im Pub, Fußball auf der Großbildleinwand, gröhlende Engländer. Ein 200 Kilo schwerer, ganzkörpertätowierter Wirt schreit quer über den guinessversifften Tresen: „Drink?“ Ich: „Do you have beer without alcohol?“ Er sinngemäß: „Willst du mich verarschen, du deutsches Sackgesicht?”

Ganz schwer zu ertragen, das. Ostern werden mindestens zwei auferstehen.

Applaus

Just aus dem türkischen Trainingscamp zurück. Raki bis zum Verlust der Muttersprache, supergünstige Uhren, T-Shirts. Von wegen privilegierte Partnerschaft, alles absolut EU-reif, Frau Merkel! War nicht immer so. Früher waren die Rolex-Uhren türkisch wasserdicht, bedeutete: Das Wasser, was drin war, kam nicht wieder raus. Früher guckten die Lacoste-Krokodile behämmert aus der Wäsche, fielen nach der ersten Säuberung vom Fleisch. Heute: alles perfekt! Die 6000-Euro-Zeiteisen kosten 100 Euro, werden nicht mal von Wempe als gefälscht erkannt. Die Krokodile haben sich ins feine Stöffchen verbissen, gucken wie echte Echsen. Werde konsequenterweise die europäisch-türkischen Beziehungen ab sofort fördern. weiterlesen »

Glücklich ist, wer vergisst, was nicht zu ändern ist

Andy Brehme sieht aus wie der späte Elvis, in Marlon Brandos Grube hätte ein Trabant gepasst. Kaum sind unsere Helden-Tage vorbei, neigen wir Männer zur Verdopplung. Habe selbst ein Becken wie ein Hallenbad, Cellulitis an unmöglichen Stellen. Gottlob gibt es Damen, denen die Vergeistigung wichtiger als alles andere ist. “Schöne Männer hat man nie alleine”, pflegen die Holden zu sagen, versetzen mir einen Klaps auf den Hintern, der nach ihrer Beobachtung erst Stunden später wieder zur Ruhe kommt. Äußerst witzig.

Jetzt war die Zeit reif für einen Speck-Weg-Urlaub. Surfen in Jerez. Der Einzug in den Neopren kostete 500 Kalorien, das Schämen als Quell-Wurst 350. Der Surflehrer empfiehlt das Brett für ältere Herren, acht Meter lang, zwei Meter breit. Als ich mich auf das Teil wuchte, teilt sich das Meer. Bin ich Moses oder Gott? Nein, habe ne Wasserverdrängung wie die Titanic. Hinterher Videoanalyse vulgo Robben-TV. Ein Figürchen wie Til Schweiger, das wär’s. Der wirft keinen Schatten. Lieber Til, tausche vier Gesichtsausdrücke gegen deinen Traumbody.

Wo wir schon bei Männern sind. Ein Mann muss: Haus bauen, Kind zeugen, Baum pflanzen. Quatsch, ein Mann muss nur zwei Dinge: sterben. Und vorher: Porsche fahren. Ich hatte einen 928er, zig Zylinder, röhrte wie der stärkste Hirsch im Odenwald, war breit wie ein Gelenkbus. Die männlichen Kollegen waren entzückt, die weiblichen können nicht gönnen: “Am Wagen des Mannes erkennt man seinen Johannes.” Schlimmer Fall von Penisneid. Porsche fahren ist klasse. Der Wind pfeift durchs dünne Haar, man ist in wenigen Tagen per Du mit allen Tankwarten.

Wer den Dicken macht, muss blechen. Bekam Post vom Finanzamt, Steuerbescheid für den P.. Musste mehr abdrücken als manches Dax-Unternehmen. Habe den 928er verkauft, wollte eigentlich einen Baum zeugen oder so. Kam leider ein gelber Hummer dazwischen. Der hat einen CW-Wert wie ein Wolkenkratzer, schluckt schon beim Angucken zehn Liter, dient nach landläufiger Meinung der Verlängerung des, äh, Egos. Seit einer Woche ist auch der Hummer Vergangenheit, fahre jetzt VW. Das ist: bitter. Glücklich ist, wer vergisst, was nicht zu ändern ist.

Wenn der Lagerkoller kommt

Trainieren, essen, trinken, schlafen, Mannschaftssitzungen. Tagein, tagaus. Dazu Alkoholverbot und Kontaktsperre zum schwachen Geschlecht. Das Trainingslager – der natürliche Feind des Fußballers! Gibt keiner zu, gilt als Wehr zersetzend. Wir schildern die Entstehungen des Lagerkollers in fünf Phasen. Akte ungeschönt, Akte depressiv. Ähnlichkeiten mit den in Antalya kasernierten Roten Bullen sind zufällig… weiterlesen »