Ein unvergessliches Spiel macht Appetit auf mehr

Dieses verrückte Spiel in Spanien werden wir alle wohl unter der Rubrik „Unvergesslich“ abspeichern. Nach 60 Minuten zeigte die Anzeigetafel 23:24 für die Underdogs aus Leipzig an. In einer wahren Rutschpartie behielten wir die Nerven, spielten diszipliniert und traten als geschlossene Einheit auf, in der jede bereit war, für die andere durchs Feuer zu gehen.

Nicht viele Menschen hätten uns den Sieg zugetraut, doch wir glaubten vor und während des gesamten Spielverlaufs an unser Happy-End. Wir wussten, dass eine erhebliche Steigerung von Nöten sein würde, um mit den Spanierinnen mithalten zu können. Deshalb trafen wir uns gleich nach der Niederlage gegen den THC am Donnerstag zur Videoanalyse, in der wir uns die vielen, vielen Fehler und Undiszipliniertheiten gegen den THC ansehen mussten. Das war eine Qual, doch manchmal muss man schwarz auf weiß sehen, was man auf dem Parkett für einen Unsinn angestellt hat.

Am Freitagmorgen trafen wir uns schon um 4.30Uhr. Auf dem Flug von Leipzig nach München konnten wir über den Wolken einen wunderschönen Sonnenaufgang beobachten. Nach einem amerikanischen Frühstück ging es dann weiter nach Bilbao, von wo aus wir zwei weitere Stunden mit dem Bus fahren mussten, bevor wir unser schönes Hotel endlich erreichten. Um 19.30Uhr hatten die Trainer im 40km entfernten Spielort ein lockeres Training angesetzt, um die Halle kennenzulernen und die Beine aufzulockern. Am Ende dieses langen Tages aßen wir schnell Abendbrot, um dann völlig erschöpft in die Betten zu fallen.

Nach dem Frühstück und der Videoanalyse am nächsten Morgen, hatten wir den Tag zur freien Verfügung. Spazierengehen, Stadtbesichtigung, Shopping und Mittagsschlaf stand bei den meisten Mädels auf den Plan – alles, was zur Abwechslung diente, war herzlich willkommen. Am Nachmittag begann es stark zu regen. Zu dieser Zeit ahnten wir nicht, welche Rolle der Niederschlag während unseres Spiels tatsächlich noch spielen würde.

Dann richtete sich die volle Konzentration auf das Spiel. Im Bus und spätestens bei der Ansprache der Trainer in der Kabine herrschte die Ruhe vor dem Sturm. Nach der Erwärmung wurde die offizielle Championsleague-Hymne abgespielt, für mich einer der schönsten Momente überhaupt. Die Spanierinnen lachten dann noch über unseren Begrüßungsspruch (Who let´s the dogs out?) – es sollte für sie in den nächsten Stunden der letzte Grund zur Freude sein.

Denn jetzt gaben die kleinen Leipziger, die laut spanischen Medien ohne Susann Müller sowieso keine Chance auf einen Sieg hätten, so richtig Gas. Wir machten auch nicht den Fehler des Gegners, unsere Energie auf Dinge zu verschwenden, die wir nicht ändern konnten. Mittlerweile regnete es so stark in die Halle, dass sich innerhalb von Sekunden eine riesige Pfütze im linken Rückraum bildete. Es wurde zwar alles versucht, die Stelle trocken zu halten, doch mehrere Spielerinnen rutschten aus und das Spiel stand mehrfach vor dem Abbruch.

Doch davon ließen wir uns nicht beirren. Wir marschierten. Zur Halbzeit führten wir mit zwei Toren und behielten auch einen klaren Kopf, als wir im zweiten Abschnitt kurz ins Hintertreffen gerieten. Die letzte Spielminute hatte es dann in sich. 59 Sekunden führten wir mit zwei Toren, kassierten jedoch schon nach wenigen Sekunden den Anschlusstreffer. Nach zwei unnötigen Ballverlusten, einer Zeitstrafe, einer Auszeit und viel, viel Glück auf unserer Seite (Wahnsinn, was in 45 Sekunden alles passieren kann) war endlich Schluss und die zwei Punkte unsere. Aber ihr könnt euch das Spiel unter www.ehftv.com selber ansehen, dann wisst ihr, wovon ich hier schreibe ;-)

Nun brennen wir auf die nächsten zwei Punkte. Die Ungarinnen sind eine sehr starke Mannschaft, doch ich bin überzeugt, dass wir sie am Mittwoch mit einer ähnlich starken Leistung, einem fantastischen Publikum in Rücken und unbändigen Siegeswillen schlagen können.

Ein Kommentar zu “Ein unvergessliches Spiel macht Appetit auf mehr”

  1. Gerald Weber sagt:

    Hallo Anne,
    Ihr seit Spitze.
    Vielleicht kam die Niederlage zum richtigen Zeitpunkt, so das ihr Euch für das Spiel in Itxako richtig motivieren konntet. Diesmal konnte ich das Spiel nur am Live-Ticker verfolgen, aber die letzt Minute woollte einfach nicht zu Ende gehen, kam mir wie 10 Minuten vor.
    Ihr schwebt zur Zeit auf Wolke 7, verliert nicht Euer Ziel. Ich freue mich schon heute auf das letzte Gruppenspiel in Wien, das ich live erleben darf. Ich hoffe nach dem Spiel gibt es einen Grund zum Feiern.
    Nina sagte vor 4 Jahren zu mir “Wer nicht kämpft hat schon verloren”. Also kämpft weiter und wir sehen uns 2011 in Halbfinale. Was für ein Traum. Euer treuer Fan Gerald, ich drücke Euch gaaaanz fest die Daumen.