Die Schlacht im Tollensetal

Meine Vorfahren väterlicherseits kommen aus der Region um Neubrandenburg. Tief in Mecklenburg-Vorpommern liegt das und los ist da nicht viel. Es gibt eine kleine, niedliche Innenstadt mit vier Toren und leidigen DDR-Architektureinsprengseln, es gibt einen See, dessen Namensgeber das Flüsschen Tollense ist und dieses wiederum ist derzeit Schauplatz einer kleinen Sensation.

Im Tollensetal haben Archäologen die Überbleibsel einer bronzezeitlichen Schlacht entdeckt. Der Fund ist bislang einzigartig in Mitteleuropa. 1996 fand ein Anwohner den ersten großen Knochen in dem Gebiet. Mittlerweile weiß man, dass auf engstem Raum die Überreste von mehreren hundert Menschen liegen. Und die baseballschlägerartigen Waffen daneben lassen den Schluss nahe, dass sie alle in einer großen Schlacht gefallen sind. Zudem war die Bevölkerungsdichte damals so gering, dass eine derartige Ballung von Menschen auf einem Fleck ein enormes Ereignis gewesen sein muss.

Die wissenschaftliche Altersbestimmung hat ergeben, dass die Knochen aus dem 2. Jahrhundert vor Christus stammen. Vermutlich sind die Überreste nur deshalb so gut erhalten, weil die Leichen in eine strömungsarme Zone des Flusses getrieben und bald von einer Torfschicht konserviert wurden.

Worum die Bronzezeit-Menschen im Tollensetal kämpften, das weiß man bislang nicht. Die Untersuchungen, an der unter anderem die Universität Greifswald beteiligt ist, gehen weiter. Wer weiß, vielleicht finden die Archäologen dort im Tollensetal auch einige meiner ältesten Vorfahren…

Übrigens habe ich gestern auf radioeins ein Interview mit dem Archäologen Detlef Jantzen zu den Funden gehört. Wenn ihr also ähnlich überrascht seid wie ich von dieser archäologischen Sensation, dann solltet ihr mal reinhören.